HOT Weather Flyfishing Tips ... Was Salmoniden bei heißen Temperaturen nicht brauchen...

HOT Weather Flyfishing Tips ... Was Salmoniden bei heißen Temperaturen nicht brauchen...

Wenn das Wasser zu warm wird: Sterblichkeit und Stressphysiologie von Salmoniden beim Angeln im Sommer

Ein Appell an verantwortungsvolles Angeln – mit wissenschaftlichem Hintergrund

Es ist ein warmer Juliabend. Die Luft flimmert, ein leichter Wind steht. Für viele Fliegenfischer der perfekte Moment, um nach der Arbeit noch schnell ans Wasser zu fahren. Doch was sich für den Angler wie eine entspannte Abendstunde anfühlt, kann für Forellen, Äschen und Lachse an diesem Tag tödlich enden – ganz unabhängig davon, wie sorgsam das Handling am Ende aussieht.

Dieser Artikel erklärt, warum Wassertemperaturen über 18 °C für Salmoniden kritisch sind, welche Wissenschaft dahinter steht – und warum wir bei mb-customrods klar empfehlen: Bei 20 °C und mehr hört das Angeln auf Salmoniden auf.

 

Was Salmoniden von anderen Fischarten unterscheidet

Forelle, Äsche, Lachs und Seeforelle gehören zur Familie der Salmoniden – und sie alle teilen eine entscheidende biologische Eigenschaft: Sie sind wechselwarme Kaltwasserfische. Ihre Körpertemperatur entspricht der des umgebenden Wassers, ihr gesamter Stoffwechsel ist auf kühle, sauerstoffreiche Gewässer ausgelegt.

Die ideale Wassertemperatur für Bachforellen (Salmo trutta fario) liegt zwischen 10 und 16 °C. In diesem Bereich ist der Stoffwechsel optimal, die Fische sind aktiv, nehmen Nahrung auf und wachsen. Bei Temperaturen unter 4 °C werden sie lethargisch; bei Temperaturen über 18 °C beginnt ein physiologischer Stresszustand, der mit steigender Temperatur dramatisch an Intensität gewinnt.

Äschen (Thymallus thymallus) sind sogar noch kälteliebender und reagieren früher und empfindlicher auf Temperaturanstiege als die Bachforelle.

 

Die Physiologie des Hitzestresses – was im Körper passiert

Das entscheidende Problem ist nicht die Wärme allein, sondern die Verbindung aus zwei Faktoren: Sauerstoffmangel und metabolische Überlastung.

Warmes Wasser kann physikalisch weniger gelösten Sauerstoff binden als kaltes. Steigt die Temperatur von 10 °C auf 20 °C, sinkt der maximal mögliche Sauerstoffgehalt des Wassers um nahezu 30 %. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf des Fischs mit zunehmender Temperatur erheblich – ein klassisches physiologisches Missverhältnis.

Salmoniden sterben daher bei Hitze in der Regel nicht direkt an der Temperatur, sondern an der daraus resultierenden Hypoxie – dem Sauerstoffmangel. Schon in Bereichen, die noch weit unter der letalen Grenze liegen, setzt ein Stressgeschehen ein, das den Fisch schwächt und seine Überlebensfähigkeit nach einem Drill massiv reduziert.

Auf molekularer Ebene haben Forscher der Universität British Columbia (Jeffries et al., 2014, BMC Genomics) bei Buckellachs und Rotlachs, die bei 19 °C gehalten wurden, eine deutliche Hochregulierung von Hitzeschockproteinen nachgewiesen – dasselbe Notfallprogramm, das auch beim Menschen bei extremem körperlichen Stress aktiv wird. Die Studie zeigte gleichzeitig erhöhte Sterblichkeitsraten in der bei 19 °C gehaltenen Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe bei 13–14 °C.

 

Was die Wissenschaft über Catch & Release bei Hitze sagt

Die entscheidende Frage für den praktischen Angler lautet nicht, ab wann Fische im Wasser sterben – sondern ab wann zurückgesetzte Fische sterben.

Die Befunde sind eindeutig:

Titus & Vanicek (1988) untersuchten Cutthroat Trout und stellten fest, dass die Sterblichkeitsrate nach dem Zurücksetzen bei Wassertemperaturen unter 16 °C bei 1,5 % lag – und bei Temperaturen über 20 °C auf 60 % anstieg. Ein dramatischer Sprung, der zeigt, wie eng das Temperaturfenster ist.

Eine Meta-Analyse von 24 Mortalitätsstudien und 9 Studien zu sublethalen Effekten (ausgewertet von keepfishwet.org) kommt zu dem Ergebnis, dass die kritische Angling-Schwelle für Regenbogenforelle, Bachforelle, Bachsaibling und Cutthroat Trout bei etwa 16 °C liegt – der Punkt, ab dem die Sterblichkeit exponentiell ansteigt. Für Bachforellen wird eine etwas höhere Toleranzschwelle von rund 19 °C angegeben, da sie wärmere Verhältnisse als verwandte Arten besser verkraften.

Eine Studie aus Montana stellte fest, dass die Sterblichkeitsrate zurückgesetzter Forellen bei 73 °F (ca. 23 °C) um 69 % höher war als bei Wassertemperaturen unter 66 °F (ca. 19 °C). Das North American Journal of Fisheries Management bestätigt 73 °F als die Marke, ab der ein markanter Anstieg der Mortalität beim Catch & Release einsetzt.

Der Wild Trout Trust (UK) formuliert es direkt: Bachforellen und Äschen beginnen bei 20 °C zu kämpfen und sterben bei 25 °C. Ein angenehmer kühler Sommerabend für den Angler kann gleichzeitig eine tödliche Wassertemperatur für den Fisch bedeuten. Die Lufttemperatur sagt nichts über die Wassertemperatur aus.

Wissenschaftler des USEPA (2001) kamen zu dem Schluss, dass Wassertemperaturen über 15,6 °C das Risiko von Sterblichkeit durch warmwasserbedingte Krankheiten (insbesondere Columnaris, Furunkulose und Ceratomyxose) erheblich erhöhen. Ceratomyxa shasta, ein parasitärer Erreger, verursacht bei Salmoniden in Wasser über 20,5 °C nahezu vollständige Sterblichkeit – bei 9,4 °C und kälter nahezu keine.

Eine Studie zu sublethalen Effekten und Reflexbeeinträchtigung (Cooke et al., PMC 2022) zeigte, dass Luftkontaktzeiten von mehr als 30 Sekunden bei Wassertemperaturen über 19,5 °C einen synergistischen Effekt auf die Beeinträchtigung lebenswichtiger Reflexe haben – mit direktem Zusammenhang zur Sterblichkeit innerhalb der folgenden 18 bis 24 Stunden.

Blinker-Magazin und führende deutsche Angelverbände empfehlen übereinstimmend: Catch & Release auf Forellen und Äschen nur noch bei Wassertemperaturen bis maximal 18 °C.

 

Die 20-Grad-Grenze – unsere klare Empfehlung

All diese Studien führen zu einer klaren Schlussfolgerung, die wir bei mb-customrods ohne Einschränkung teilen:

Bei einer Wassertemperatur von 20 °C oder mehr empfehlen wir, das Angeln auf Salmoniden an diesem Tag vollständig einzustellen.

Das gilt unabhängig davon, wie gut das Handling aussieht, wie kurz der Drill war oder wie erfahren der Angler ist. Der physiologische Stress, dem ein Fisch bei diesen Temperaturen durch den Drill ausgesetzt wird, übersteigt seine Regenerationsfähigkeit in vielen Fällen – auch wenn er beim Zurücksetzen noch lebendig aussieht. Verzögerter Tod durch Erschöpfung, Sauerstoffmangel und Immunsuppression ist bei Hochtemperatur-Catches gut dokumentiert.

Die 20-Grad-Marke ist kein willkürlicher Wert. Sie ist der wissenschaftlich gut belegte Punkt, ab dem selbst unter besten Bedingungen ein nicht mehr vertretbares Sterberisiko für den zurückgesetzten Fisch besteht.

 

Tipps zum Fischhandling bei Temperaturen ab 18 °C

Wenn du dich dennoch entscheidest, bei Temperaturen zwischen 18 und 20 °C zu fischen, oder wenn du beim Angeln auf andere Arten zufällig eine Forelle oder Äsche fängst, gelten folgende Regeln – ohne Ausnahme:

1. Vorher messen, nicht schätzen

Miss die Wassertemperatur, bevor du die erste Leine wirfst. Lufttemperatur, Tageszeit und Wetterfühl sind kein Ersatz. Ein simples Wasserthermometer – wie der Cling Thermometer Sticker aus unserem Sortiment, der sich an Flasche oder Ausrüstung befestigen lässt – gibt dir sofort Klarheit. Wer ohne diese Grundinformation ans Wasser geht, handelt blind.

2. Den Drill so kurz wie möglich halten

Kein Drill darf länger dauern als nötig. Das bedeutet: Kein zu leichtes Material, das den Fisch unnötig lang erschöpft. Schnelles, entschlossenes Drillen ist bei Hitze kein Mangel an Sportlichkeit – es ist Tierschutz.

3. Den Fisch niemals aus dem Wasser nehmen

Der Fisch bleibt im Wasser. Keine Ausnahme. Das Herausheben aus dem Wasser entzieht dem bereits erschöpften Fisch in Sekundenbruchteilen bis zu 80 % seiner Blut-Sauerstoffbindungskapazität (Ferguson & Tufts, 1992). Selbst kurze Luftkontaktzeiten von unter 30 Sekunden können bei hohen Wassertemperaturen sublethale Schäden verursachen, die den Fisch Stunden nach dem Zurücksetzen töten.

4. Den Kescher richtig einsetzen

Ein weichmaschiger, fischhautschonender Kescher ist kein Luxus, sondern Pflicht. Die neuen Modelle von Rising und Fishpond, die wir bei mb-customrods.de führen, haben genau dafür entwickelte Netzmaterialien: kein Abrieb von Schleimhaut, kein Verheddern von Flossen, kein zusätzlicher Stress durch scharfe Kanten. Der Fisch wird im Kescher im Wasser gehalten – das Netz schützt ihn, bis der Haken entfernt ist.

5. Haken zügig und ruhig entfernen

Halte den Fisch mit nassen Händen oder im Kescher im Wasser. Kein Greifen am Körper, kein Druck auf den Bauch – das kann innere Organe verletzen. Wenn der Haken sich nicht innerhalb weniger Sekunden entfernen lässt: Schnur abschneiden, Haken im Fisch belassen. Ein Barbless Hook (Widerhaken abgequetscht oder ohne Widerhaken) ist bei diesen Bedingungen nicht nur ethisch sinnvoll, sondern beschleunigt die Hakenentnahme erheblich.

6. Keine Fotosession außerhalb des Wassers

Fotos im oder direkt über dem Wasser – ja. Fisch hochhalten für ein klassisches Bild: Nein. Wenn Fotos, dann kurz, nass, im Wasser.

7. Revitalisieren, bis der Fisch selbst geht

Halte den Fisch in der Strömung oder im ruhigen, sauerstoffreichen Wasser, bis er sich eigenständig löst. Nicht schieben, nicht wedeln, nicht „helfen". Wenn er nach 30–60 Sekunden noch nicht stabil ist: Weiterhalten, Geduld. Ein Fisch, der sich nicht stabilisiert, hat möglicherweise schon zu viel Sauerstoff verloren.

 

Das Thermometer als erste Ausrüstung – nicht als letzte

Viele erfahrene Salmonidenfischer tragen heute ein Wasserthermometer genauso selbstverständlich wie ihre Fliegendose. Es kostet wenig, ist klein und gibt dir die einzige Information, die wirklich zählt: Ist das Wasser heute noch vertretbar für Catch & Release?

Der Cling Thermometer Sticker aus unserem Sortiment passt in jede Tasche, klebt an jeder Oberfläche und zeigt die Wassertemperatur auf einen Blick. Er ist keine Spielerei – er ist das Werkzeug, mit dem du täglich eine informierte Entscheidung treffen kannst.


Fazit: Respekt ist keine Schwäche

Das Bild des Fliegenfisxhers, der um jeden Preis fischt, hat ausgedient. Wer bei 22 °C noch auf Forellen und Äschen fischt, handelt nicht leidenschaftlicher als jemand, der das Fischen einstellt – er handelt nur rücksichtsloser.

Die Wissenschaft ist eindeutig. Die Empfehlungen erfahrener Angelverbände auf beiden Seiten des Atlantiks sind eindeutig. Und wir bei mb-customrods.de stehen dazu:

Wer Salmoniden liebt, lässt sie ab 20 °C in Ruhe.

Das ist kein Verzicht. Es ist der Grund, warum wir nächstes Jahr und übernächstes Jahr noch auf unsere geliebten Salmoniden angeln können.

Quellen u.a.: Titus & Vanicek (1988); Jeffries et al. (2014), BMC Genomics; USEPA (2001); Ferguson & Tufts (1992); Cooke et al. (PMC, 2022); Wild Trout Trust; North American Journal of Fisheries Management; keepfishwet.org; Blinker-Magazin

 


Dieser Artikel wurde veröffentlicht von mb-customrods.de – Dein Spezialist für handgefertigte Angelruten und Premium-Fliegenfischerzubehör.


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