Wie man seine Salzwasser-Fliegenrute vor Korrosion schützt!

Wie man seine Salzwasser-Fliegenrute vor Korrosion schützt!

Wie man seine Salzwasser-Fliegenrute vor Korrosion schützt

Ein Tag an der Küste kann perfekt sein.

Wind. Salz in der Luft. Vielleicht eine Meerforelle im ersten Morgenlicht oder ein Fisch, der weit draußen den Streamer nimmt.

Doch wenn die Rute nach diesem Tag einfach nass ins Futteral wandert, arbeitet das Meer weiter.

Salz bleibt auf den Ringen, im Gewinde des Rollenhalters, an den Rollenfüßen und in kleinsten Übergängen zwischen Metallteilen zurück. Was zunächst nur wie ein matter Belag aussieht, kann über Wochen und Monate zu Korrosion, schwergängigen Gewinden oder beschädigten Oberflächen führen.

Wer seine Salzwasser-Fliegenrute vor Korrosion schützen möchte, sollte deshalb nicht erst reagieren, wenn sich erste Flecken zeigen.

Die beste Pflege beginnt direkt nach dem Fischen.

Und sie dauert oft kaum mehr als ein paar Minuten.

Warum Salzwasser für Fliegenruten so aggressiv ist

Der Blank selbst ist meist nicht das Hauptproblem.

Ein moderner Carbonblank korrodiert nicht wie ein Metallbauteil. Kritisch sind vielmehr die Komponenten, die aus einer Blankkonstruktion erst eine fertige Salzwasser-Fliegenrute machen:

  • Stripping Guides
  • Schlangenringe bzw. Running Guides
  • Spitzenring
  • Rollenhalter und Locking Nuts
  • Winding Checks
  • Fighting Butt
  • Rollenfuß der Fliegenrolle
  • weitere Metallbeschläge

Salzwasser enthält Chloride, die Korrosionsprozesse stark beschleunigen können.

Besonders problematisch ist, dass Salz Feuchtigkeit bindet.

Eine Rute kann sich oberflächlich längst trocken anfühlen – in Gewinden, Spalten oder unter dem Rollenfuß können trotzdem noch Salz und Feuchtigkeit vorhanden sein.

Genau dort beginnt Korrosion meist unbemerkt.

Edelstahl bedeutet nicht automatisch wartungsfrei

Auch hochwertiger Edelstahl ist kein Freifahrtschein.

Gute Edelstahlringe sind für den Einsatz am Wasser konstruiert, können unter dauerhaftem Salzfilm aber ebenfalls Ablagerungen, Verfärbungen oder im ungünstigen Fall Lochfraß entwickeln.

Noch sensibler reagieren beschädigte Beschichtungen.

Ist ein Ringfuß angeschlagen oder eine Beschichtung bereits bis auf das Grundmaterial beschädigt, besitzt das Salzwasser einen idealen Angriffspunkt.

Für konsequente Salzwasser-Builds sind deshalb hochwertige, korrosionsbeständige Materialien besonders interessant.

Titan- bzw. RECoil-Komponenten werden aus genau diesem Grund häufig bei modernen Premium-Salzwasserruten eingesetzt. So verwendet beispielsweise Winston bei der AIR 2 Max salzwasserbeständige Cerecoil-Hard-Titanium- und RECoil-Ringe. citeturn230738search1

Auch Thomas & Thomas kombiniert bei der Sextant-Serie Titanium RECoil Guides mit einem anodisierten Rollenhalter für den harten Salzwassereinsatz. citeturn230738search3

Kontaktkorrosion – wenn zwei Metalle aufeinandertreffen

Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Kontakt- oder galvanische Korrosion.

Sie kann entstehen, wenn unterschiedliche Metalle miteinander in Kontakt stehen und gleichzeitig Feuchtigkeit bzw. Salzwasser vorhanden ist.

Typische Stellen an einer Fliegenrute sind:

der Rollenfuß unter den Locking Rings,

Gewinde und Muttern eines Schraubrollenhalters,

Metallübergänge am Fighting Butt,

sowie andere verschraubte Hardware.

Genau deshalb lohnt es sich nach einem Küstentag, die Fliegenrolle nicht einfach dauerhaft auf der Rute montiert zu lassen.

Unter dem Rollenfuß sieht man Feuchtigkeit nämlich erst dann, wenn man die Rolle abnimmt.

Nach dem Fischen: Süßwasser ist die wichtigste Pflege

Die wichtigste Regel für jede Salzwasser-Fliegenrute ist erstaunlich simpel:

Nach jedem Salzwassereinsatz mit sauberem Süßwasser reinigen.

Dafür braucht es keinen Hochdruckreiniger und keine aggressive Chemie.

Im Gegenteil.

Ein sanfter Wasserstrahl oder ein feuchtes, weiches Tuch reicht vollkommen aus.

Schritt 1: Fliegenrolle abnehmen

Die Rolle sollte zuerst vom Rollenhalter entfernt werden.

Dadurch werden Kontaktflächen sichtbar, an denen sich Salz und Feuchtigkeit besonders gerne sammeln.

Gleichzeitig kann das Gewinde des Rollenhalters vollständig gereinigt werden.

Schritt 2: Blank und Beringung reinigen

Den Blank von Butt bis Spitze mit Süßwasser abspülen oder mit einem gut angefeuchteten Tuch reinigen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Ringe.

Bei einer Salzwasserrute bestehen diese typischerweise aus:

Stripping Guides im unteren Bereich der Rute,

Schlangenringen oder anderen Running Guides im weiteren Verlauf,

und dem Spitzenring bzw. Tip Top.

Gerade an den Übergängen zwischen Ringrahmen und Ringfuß können sich Salzkrusten bilden.

Bei keramischen Stripping Guides sollte zusätzlich die Einlage kontrolliert werden.

Den Rollenhalter wirklich reinigen

Ein Rollenhalter ist einer der Bereiche, an denen Salz besonders gerne zurückbleibt.

Öffne die Locking Nuts nach dem Fischen vollständig und spüle das Gewinde vorsichtig mit Süßwasser.

Danach mehrfach auf- und zudrehen.

Das Gewinde sollte leicht und gleichmäßig laufen.

Kratzt es oder fühlt es sich punktuell schwergängig an, steckt häufig getrocknetes Salz oder feiner Sand darin.

Gerade für Salzwasser-Builds lohnt es sich bereits beim Rutenbau, robuste und korrosionsbeständige Hardware zu verwenden.

Bei MB-Customrods findest du eine Auswahl an kompletten Rollenhaltern für Fliegenruten sowie Rollenhalter-Hardware.

Für den Salzwassereinsatz sollte dabei gezielt auf anodisiertes Aluminium, geeignete Beschichtungen und möglichst wenige korrosionsanfällige Materialkombinationen geachtet werden.

Der Fighting Butt bekommt besonders viel Salz ab

Bei kräftigeren Fliegenruten der Klassen #7, #8 und höher gehört ein Fighting Butt häufig zum Aufbau.

Und ausgerechnet dieser Teil der Rute kommt besonders oft mit Sand, Steinen oder nassem Untergrund in Kontakt.

Die Rute wird kurz abgestellt.

Der Fighting Butt berührt den Strand.

Schon befinden sich Sand und Salz genau dort, wo man sie eigentlich nicht haben möchte.

Deshalb sollte auch dieser Bereich nach jedem Küstentag sorgfältig abgespült werden.

Ein Fighting Butt ist kein rein dekoratives Bauteil, sondern gehört bei einer echten Salzwasserrute zur funktionalen Hardware.

Ganz wichtig: Die Rute niemals nass ins Futteral

Einer der häufigsten Pflegefehler passiert nicht beim Fischen.

Er passiert danach.

Die Rute wird zerlegt.

Ins Futteral geschoben.

Das Futteral wandert ins Rutenrohr.

Und dort bleibt alles bis zum nächsten Angeltag.

Genau das ist nach einem Salzwassertag problematisch.

Ein feuchtes Futteral hält Salz und Feuchtigkeit direkt an Blank, Ringen und Steckverbindungen.

Besser:

Reinigen. Trocknen. Erst dann verstauen.

Lass Blankteile, Futteral und gegebenenfalls auch das Rutenrohr vollständig trocknen.

Das Rutenrohr ist ein hervorragender Transportschutz.

Es ist aber kein Trockenschrank.

Ferrulen und Überschubverbindungen richtig reinigen

Auch die Steckverbindungen einer mehrteiligen Fliegenrute benötigen Aufmerksamkeit.

Bei modernen Fliegenruten handelt es sich meist um Tip-over-Butt- bzw. Überschubverbindungen.

Salz und Sand können hier die Passung beeinträchtigen.

Das männliche Rutenteil wird vorsichtig mit einem sauberen, leicht feuchten und anschließend trockenen Tuch gereinigt.

Auch die Innenseite des darübergeschobenen Rutenteils sollte frei von Sand und Salz bleiben.

Dabei gilt:

Kein Öl. Kein Fett. Kein Silikonspray.

Solche Mittel gehören nicht auf die Ferrulen einer Fliegenrute.

Sie können Staub und Sand binden und die definierte Reibung der Verbindung verändern.

Fühlt sich eine Verbindung plötzlich rau an oder sitzt ungewöhnlich fest, sollte zunächst sorgfältig gereinigt werden.

Nicht mit Gewalt drehen oder ziehen.

Ringe regelmäßig kontrollieren

Nach dem Trocknen lohnt sich eine kurze Sichtkontrolle.

Sie dauert zwei Minuten.

Und sie kann eine teure Fliegenschnur retten.

Halte die Ringe gegen das Licht.

Achte auf:

weißliche Salzablagerungen,

dunkle Korrosionspunkte,

beschädigte Oberflächen,

Risse in keramischen Einlagen,

und Verformungen.

Besonders ein beschädigter Stripping Guide kann eine hochwertige Fliegenschnur innerhalb kurzer Zeit aufrauen.

Ein einfacher Trick:

Fahre vorsichtig mit einem Stück feiner Watte oder Nylongewebe durch die Einlage.

Bleiben Fasern hängen, besitzt der Ring möglicherweise eine beschädigte oder scharfkantige Stelle.

Dann sollte er ausgetauscht werden.

Nicht jeder beschichtete Ring ist automatisch salzwasserfest

Dieser Punkt ist gerade beim Rutenbau wichtig.

Schwarz, Gunsmoke oder Black Nickel sehen hervorragend aus.

Eine dunkle Beschichtung sagt aber zunächst nichts darüber aus, wie gut der Ring dauerhaft mit Salzwasser zurechtkommt.

Bei den SnakeBrand Universal Guides in Black Nickel weist MB-Customrods beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass diese Beschichtung nicht unbedingt für den Einsatz im Salzwasser geeignet ist. citeturn347624search2

Dasselbe gilt für die entsprechenden Black-Nickel-Spitzenringe. citeturn347624search5

Wer eine echte Küsten- oder Salzwasserrute baut, sollte deshalb nicht nur nach Optik auswählen.

Die Frage lautet:

Ist diese Beringung für den geplanten Salzwassereinsatz gemacht?

Bei MB-Customrods findest du verschiedene Ringe und Komponenten für den Fliegenrutenbau.

Für konsequente Salzwasser-Builds sind Titan-, RECoil- oder ausdrücklich salzwassertaugliche Ringkonzepte besonders interessant.

Wicklungen und Epoxid kontrollieren

Auch die schönsten Wicklungen einer Custom Rod benötigen gelegentlich einen Blick.

Der Rutenbaulack über der Wicklung schützt Ringfuß und Bindegarn.

Aber auch eine saubere Epoxidbeschichtung ist keine unzerstörbare Versiegelung.

Achte auf:

feine Risse,

milchige Stellen,

abgehobene Lackkanten,

oder Bereiche, in denen sich der Lack sichtbar vom Ringfuß löst.

Ein kleiner oberflächlicher Makel ist nicht automatisch kritisch.

Wenn jedoch Wasser bis unter den Ringfuß gelangen kann, sollte die Wicklung repariert werden.

Gerade bei einer hochwertigen Custom Salzwasserrute ist eine frühzeitige Reparatur wesentlich günstiger als ein später korrodierter Ringfuß.

Welche Pflegemittel braucht eine Salzwasser-Fliegenrute?

Weniger als viele denken.

Für die regelmäßige Pflege reichen meist:

Süßwasser,

ein weiches Tuch,

eine kleine weiche Bürste,

und ausreichend Zeit zum Trocknen.

Aggressive Haushaltsreiniger, Lösungsmittel und Scheuermittel gehören nicht an eine Fliegenrute.

Sie können Blankfinish, Epoxid, Kork, EVA, Carbon-Griffe oder Beschichtungen beschädigen.

Bei hartnäckigen Salzkrusten reicht häufig lauwarmes Wasser.

Ein geeignetes Korrosionsschutzmittel kann bei äußerer Metallhardware punktuell sinnvoll sein.

Aber nur sehr sparsam und entsprechend den Herstellerangaben.

Es gehört nicht auf:

Ferrulen,

Blank,

Kork,

Fliegenschnur,

oder Ringwicklungen.

Auch der Korkgriff braucht Pflege

Kork leidet weniger unter Korrosion als unter Schmutz und dauerhaft gebundener Feuchtigkeit.

Nach einem langen Salzwassertag genügt deshalb meist ein kurzes Abspülen mit Süßwasser.

Danach vollständig trocknen lassen.

Starkes Schrubben ist nicht nötig.

Es kann die Oberfläche des Korks unnötig aufrauen.

Bei EVA- oder Carbon-Griffen gilt dasselbe Prinzip:

mild reinigen,

trocknen lassen,

keine öligen oder glänzenden Pflegeschichten auftragen.

Eine Salzwasserrute sollte auch nach zehn Tagen Küstenfischen noch sicher in der Hand liegen.

Die richtige Lagerung entscheidet über die Lebensdauer

Eine perfekt gereinigte Fliegenrute kann trotzdem leiden, wenn sie anschließend feucht gelagert wird.

Ideal ist eine trockene Umgebung bei relativ konstanter Temperatur.

Nicht dauerhaft im heißen Auto.

Nicht feucht im Bootshaus.

Und nicht direkt nach dem Fischen luftdicht im Rutenrohr.

Nach einer mehrtägigen Reise sollte die komplette Ausrüstung einmal vollständig geöffnet und getrocknet werden.

Rute.

Rolle.

Futteral.

Rutenrohr.

Gerade nach einem tropischen Salzwassertrip lohnt sich dieser zusätzliche Schritt.

Salzwasser-Rutenbau beginnt schon bei der Komponentenwahl

Wer seine eigene Salzwasser-Fliegenrute baut, kann viele Probleme bereits vermeiden, bevor die erste Wicklung auf den Blank kommt.

Die entscheidenden Komponenten sollten zum Einsatz passen.

Für einen ernsthaften Salzwasser-Build sind beispielsweise interessant:

  • anodisierte oder ausdrücklich salzwassertaugliche Rollenhalter
  • korrosionsbeständige Locking Nuts und Hardware
  • Titan- oder RECoil-Ringe
  • hochwertige keramische Stripping Guides
  • stabile Tip Tops
  • sauber versiegelte Ringwicklungen
  • ein robuster Fighting Butt

Bei einer #8 für tropisches Flats Fishing gelten andere Anforderungen als bei einer #6 für gelegentliches Meerforellenfischen an der Ostsee.

Das Grundprinzip bleibt aber gleich:

Je häufiger die Rute mit Salzwasser in Kontakt kommt, desto konsequenter sollte die Komponentenauswahl sein.

Premium-Salzwasserruten zeigen sehr gut, wie solche Konzepte aussehen können. Thomas & Thomas setzt bei der Sextant beispielsweise auf Titanium RECoil Guide Rings und einen anodisierten Rollenhalter, Winston bei der AIR 2 Max auf Cerecoil-Hard-Titanium- und RECoil-Salzwasserringe. citeturn230738search1turn230738search3

Die häufigsten Fehler nach dem Salzwasserfischen

Die meisten Schäden entstehen nicht während des Drills.

Sie entstehen danach.

Typische Fehler sind:

  • Die Fliegenrute wird salzig und feucht direkt ins Futteral gepackt.
  • Die Fliegenrolle bleibt wochenlang auf dem Rollenhalter montiert.
  • Rollenhaltergewinde werden nicht geöffnet und gereinigt.
  • Salzkrusten an Ringrahmen werden ignoriert.
  • Ferrulen werden mit Öl oder Fett behandelt.
  • Die Rute trocknet dauerhaft im geschlossenen Rohr.
  • Beschädigte Ringbeschichtungen oder Wicklungen werden nicht kontrolliert.

Das Gute daran:

Fast alle diese Fehler lassen sich ohne großen Aufwand vermeiden.

Zwei Minuten, die viele Jahre ausmachen können

Vielleicht war es ein perfekter Küstentag.

Du hast stundenlang gegen den Wind geworfen.

Der Streamer lief genau durch die richtige Rinne.

Und irgendwann kam dieser harte Zug in der Schnur.

Genau für solche Tage besitzen wir Salzwasser-Fliegenruten.

Der letzte Handgriff dieses Tages sollte deshalb nicht darin bestehen, die Rute einfach ins Auto zu legen.

Spüle sie ab.

Nimm die Rolle herunter.

Öffne den Rollenhalter.

Lass alles trocknen.

Zwei oder drei Minuten Pflege können dafür sorgen, dass sich das Gewinde auch Jahre später noch sauber dreht, die Ringe glatt bleiben und die Rute bereit ist, wenn es wieder Richtung Küste geht.

Eine gute Salzwasser-Fliegenrute wurde für harte Bedingungen gebaut.

Gute Pflege sorgt dafür, dass sie diese Bedingungen viele Jahre lang mitmacht.


Glasfaser Fliegenrute – Ideal für kleine Bäche!